(I can´t get no) Satisfaction

Dass ich einen besonderen „Hang zum Klang“ habe, dürfte ich mittlerweile hoffentlich ausreichend deutlich gemacht haben. Deswegen ist es auch kein Wunder, dass ich ein Faible für Musik habe. Wir alle, möchte ich behaupten, haben etwas für Musik übrig – Musik ist fantastisch und wundervoll.

Doch, wie so oft, bin ich hauptsächlich fasziniert von den Menschen, die hinter all dem Klang stehen – Ich liebe Musiker. Ich finde Musiker wahnsinnig spannend und, machen wir uns nix vor, ziemlich heiß! Das… das ist aber bei allen so, oder…? Also… jeder Mensch mit einer Sexualität findet Leute, die ein Instrument spielen können, heiß oder mal zumindest irgendwie attraktiv. Ja… Wo war ich?

Was mich besonders interessiert, ist die schier unfassbare Fingerfertigkeit und Handwerkskunst eines Musikers. Welch wundervolle Klänge ein Korpus aus Holz oder Metall in der Lage ist von sich zu geben, alleine deshalb, weil ein Musiker es beherrscht, darauf herumzuklampfen – Wahnsinn. Ich bewundere das.

Allein die Nervenstränge und Gehirnzellen, die dazu nötig sind, ein Instrument überhaupt erst zu lernen! Alle, die irgendwann mal ein Instrument lernen wollten (oder mussten) sind durch die gleiche Schule gegangen: Er/sie/mensch hatte wahrscheinlich jahrelangen, nervenaufreibenden, mürbemachenden, drei-Mal-die-Woche-Folter-Unterricht, hat wahrscheinlich geflucht und geschimpft auf das vermaledeite Teufelsinstrument, das total schief klingt und die kostbare Freizeit raubt!

Vielleicht dachte sich der Musiker: „Warum haben mir meine Eltern auferlegt, dieses dämliche Kackinstrument zu lernen?“ Oder: „Warum habe ich mich für dieses dämliche Kackinstrument entschieden, das is´ ober schwer, dieses Kackinstrument?!“

Aber dann, irgendwann, mit einem Mal, als die Nachbarn sich schon von einem Leben in Ruhe verabschiedet hatten, funktionierte es plötzlich. Er/sie/mensch beherrscht das vermaledeite Teufelsinstrument, hat es sich zum Untertan gemacht und kann nun wundervolle Musik damit machen. Wundervolle, engelsgleiche Schalmeienmusik. Also, entweder das oder Schlager…

 

Ich kann kein Instrument spielen. Ich kann noch nicht mal Rassel. Also finde ich die Kunst des Instrument-Spielens wahnsinnig interessant – und vor allem eben mega heiß.

Den Pianisten bewundere ich seiner Tastenfertigkeit wegen – dieses Schreibmaschinen-Zehnfingersystem, zeitweise sogar ohne Hingucken. Die Hand-Augen-Koordination scheint bei Pianisten famos ausgearbeitet zu sein, erstaunlich. Und: da benutzt jemand all seine Finger in erstaunlicher Geschwindigkeit und Präzision. Dann kann der auch andere Dinge gut mit seinen Fingern…

Diese Schlagzeuger sind an der Multitasking-Front auch ganz vorn dabei. Zugebaut bis unters Kinn mit Trommeln, Becken und goldenen Woks, übertreibt es der ein oder andere zwar gern mal und sieht mitunter aus, als müsste er sich vor irgendetwas verstecken – aber das Hauptargument ist – Schlagzeuger haben Kraft! Sie sind stark und geben ständig irgendwo den Takt an, mmh, und die haben immer diese Oberarme…

Wo die immer überall draufhauen müssen – Schlagzeuger sind nach einem Auftritt immer völlig fix und fertig. Und nassgeschwitzt, hrr. Das Schlagzeugspielen ist ein martialischer, animalischer Kampf der eigenen Kraft mit dem Widerstand der Tierfelle. Da wär´ ich auch gern mal Fell…

Ein Bassist wirkt auf mich immer erstmal harmlos und unschuldig, lalala, ich mit meinen vier dicken Seiten, bum-bum-di-dum, haha. Viele machen sich über Bassisten lustig und behaupten, die könnten nix – doch sobald eine Besetzung ohne Bassisten ist, klingt die Musik einfach dünn und schwächlich und irgendwie langweilig.

Ein Bass hat den nötigen „Wumms“ mit Tönen, so kraftvoll, dass alles um einen herum bebt – Töne, so tief, dass das menschliche Ohr sie fast gar nicht mehr wahrnehmen kann. Mit einem anständigen Verstärker hat ein Bassist außerdem alles Werkzeug, was er braucht, um jegliches Publikum mit rhythmischen Vibrationen zum musikalischen Höheprunkt zu bringen…

Bei Gitarristen ist mein angetan-Sein fast ein bisschen zu klischéehaft… Aber diese Haltung! Breitbeinig steht er da, der Gitarrist, als hätte er soeben den höchsten Berg (oder die netteste Dame) bestiegen. Er trägt im besten Fall eine eng sitzende, schwarze Lederhose und sonst nichts.

Die Gitarre tiiiief geschnallt bis direkt vor den Schritt… Jedes Mal denke ich mir – das ist doch kein Zufall, dass der Gitarrist seine Gitarre in Penis-Höhe trägt, das ist doch volle Absicht, da kann er sich eigentlich gleich einen Pfeil umbinden…

Gitarre spielen ist im Grunde auch nur eine Entschuldigung dafür, dass ein Mann ständig und in aller Öffentlichkeit an sich herumspielen darf!! Aber, ach, das darf er in diesem Kontext gern, das soll er ruhig mal machen…

 

Denn ist er erst mal losgelassen auf sein Publikum, gibt es kein Halten mehr –  dann fängt der Gitarrist an zu spielen! Die eine Hand lässig am Schaft des Gitarrenhalses (ich finde „Schaft“ ist ein übertrieben sexuelles Wort), die Finger der anderen Hand greifen sanft das kleine Plastikscheibchen, alles ist bereit für die Musik!

Und dann schlägt der Gitarrist die Seiten an – ROAAR!! – ein brüllender Akkord erklingt und lässt die Halle/die Kneipe/ das Wohnzimmer erzittern – und dann reißt er den Arm in die Luft, lässt den Akkord laut wummern, der Klang bebt aus den Lautsprechern. Der Gitarrist zeigt vielleicht auf jemanden im Publikum (der Subtext hier selbstverständlich „Dich knall ich später!“) und dann legt er richtig los – er schrammelt die Melodie oder fiddelt sein Solo, die Seiten beugen sich seiner Virtuosität, sein Spiel wird schneller und schneller und seine Hand fährt den Gitarrenhals entlang, immer höher und höher, und irgendwann ist es, als hätte er deinen Körper in den Händen und er spielt auf dir das hohe C… Grrrrrroovy.

 

Haach, Musiker sind heiß…

Nun, vielleicht nicht unbedingt alle Musiker. Okay, wenn ich so darüber nachdenke…

 

Posaunisten sind jetzt vielleicht nicht so heiß. Ich bin insofern aber fasziniert von Posaunisten (auch von Trompetern), weil sie mit ihren aufgeblähten Backen und den weit aufgerissenen Augen so überaus überrascht aussehen. Als wären sie völlig unvorbereitet gewesen, dass aus ihrem Instrument Töne herauskommen.

Genauso gucken auch Tuba-Spieler.

Heißen die Tubisten?

Oder Tubetaner?

Die schleppen diese riiiesigen Metallhörner mit sich rum und gucken super gequält, als wäre ihnen etwas auf den Fuß gefallen, oder als müssten sie einen sehr komplizierten Dreisatz im Kopf lösen, aber im Endeffekt brechen sie simpel fast zusammen unter dem Gewicht des massiven Metallhornes…

Saxophon geht ja noch, irgendwie, es hat was, wenn der Saxophonist sein Mundstück immer so unanständig anleckt.

Ein Instrument mit dem Mund spielen zu können hat sicher den ein oder anderen Vorteil im Schlafzimmer, das möchte ich nicht abstreiten, Posaunisten, Tubeter und die mit der Trompete haben sicherlich mal das ein oder andere Groupie zufriedengeblasen…

Aber egal, wie frau es dreht, die Blechbläser tun alle etwas sehr Gruseliges: sie allesamt bringen kleine Eimerchen mit auf die Bühne, süße, kleine Eimerchen, die sie vor sich auf den Boden stellen, und in die dann während ihres Auftrittes das „Kondenswasser“ (ein lächerlicher Euphemismus für SPUCKE!) reinlaufen kann… Ih.

Holzblasinstrumente sehen genauso bekloppt aus, machen wir uns nichts vor. Und sie heißen doof.

„Oboe“. Bitte.

„Flöte“.

Wer rockt denn mit ´ner Flöte? ICH will sehen, wie Tommy Lee es schafft mit einer Flöte zu rocken, NIEMALS hätte der damals die Pamela rumgekriegt, wenn der FLÖTE gespielt hätte!!

Oder Triangelisten… Trian… Triangelikaner?

Also, die mit dem winzigen Metall-Dreieck.

Damit kann man doch nix machen!

Kann man denn einen Triangler überhaupt ernst nehmen?

PING.

Das war´s!

PING. That´s it, people, das war mein Solo, Feierabend, weiter geht’s mit dem Hauptakt, los, bringt den Gitarristen auf die Bühne, mit seinem Motorrad aus Knochen und Totenschädeln und opfert ihm vier Jungfrauen!

Und Geiger… Ach, Geiger sind harmlos, die sind einfach nur lustig. Oh, Geiger sind so lustig! Die sind zwar beliebt, die kommen rum, füllen ganze Stadien, sie sehen die ganze Welt – aber immer nur schräg! Wer macht denn sowas??

Das sieht immer erstmal aus wie ein putziger Hundewelpen, der ein Leckerli möchte, und dann denkst du dir, aaaw, wie süß, guck mal, der kleine Wel… und dann BAMM, der Geiger fängt an rum zu violinen und dann zieht er die Augenbrauen in Überraschung ob seines abgöttischen Talentes zusammen und verzieht den Mund zu einem gequält-künstlerischen Musikerlächeln, er guckt irgendwie flehend, aber auch gleichzeitig so, als würde er sich selbst unfassbar geil finden, oooh, er geht so auf in der Musik, haach, alles so intellektuell gerade, der Geiger geht total ab auf diese Sonate, Beethovens achte Irgendwas, Mozarts dritte Fickdichdoch…

 

Unter KEINEN Umständen würde ich mich von André Rieu befummeln lassen, gut, da tut auch die Frisur einiges für, wer hat denn heute immer noch so nen aufgeföhnten Blödsinn aufm Kopf, aber das ist auch bei David Garrett nicht anders, auch der würde kein Stück meines Törtchens bekommen, niemals…

Von so jemandem lass ich mich doch nicht anfassen, da hol ich doch eher den Tierschutz!! Da hol ich mein Vergewaltigungs-Pfeifchen raus und puste rein, TRILLERTRILLER, und dann … sehe ich plötzlich auch aus wie eine Tubetende…

 

Im Grunde genommen glaube ich, alle Musiker sehen früher oder später entweder bescheuert oder sexy aus. Es ist alles ein steter, fortlaufender Prozess, ein abwechselndes Stelldichein von Gesichtsmuskeln und Körper-Mimik. Jeder Musiker und jede Virtuosin hat eine andere Art, das Talent, das in ihnen schlummert nach draußen zu tragen.

Jeder Gitarrist guckt mal, als wäre ihm was auf den Fuß gefallen, der ein oder andere Pianist scheint manchmal zu vergessen, dass ihm Leute zugucken und er sich vielleicht etwas benehmen sollte – und vielleicht gibt es irgendwo ein nettes Foto von David Garrett, das ich in einer einsamen Stunde vielleicht mal bevögeln würde…

Über kurz oder lang wird ein Musiker so gucken, als müsste er einen komplizierten Dreisatz im Kopf lösen – übrigens der internationale Gesichtsausdruck eines Mannes beim Orgasmus, achtet mal drauf.

Ich liebe Musiker trotzdem.

Allesamt.

Ich glaube, die Hauptsache ist am Ende einfach, dass wir uns nicht allzu ernst zu nehmen, bei dem was wir tun. Ja, Musik ist etwas Wundervolles und Musiker erweisen ihrem zuhörenden Publikum immer wieder aufs Neue großartige künstlerische Dienste – aber, wenn wir ehrlich sind, erfinden sie das Rad auch nicht neu, sondern sind nur auf der Suche nach neuen Varianten des Rades.

Und damit schließt sich doch irgendwie auch der Kreis, oder?

Also, für alle, außer die mit der Triangel – die haben ja nur ein Dreieck…

 

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